Klinische Hypnose und Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen – Hiltrud Bierbaum-Luttermann & Siegfried Mrochen – Junfermann Verlag – Rezension von Edina Di Napoli

Dieses Buch ist meiner Meinung nach für erfahrene Kinder- und Jugendpsychologen aber auch für Coaches sehr hilfreich die Erfahrungen im Bereich Hypnose oder Imaginationen haben und dies noch ausbauen wollen.

Der Aufbau ist sehr gut strukturiert und übersichtlich. Zunächst wird auf die Hypnose und ihre Erwartungshaltung eingegangen. Die Trance als Alltagserleben und wie dadurch heilsame Prozesse in Gang gesetzt werden können. Dazu benötigt es nicht viel. Wir alle sind manchmal in Gedanken oder in eine Tätigkeit versunken, so auch Kinder, die zudem noch mit einer viel größeren Fantasiewelt ausgestattet sind bzw. einen schnelleren Zugang zu ihr haben als Erwachsene. D. h. wir erleben Trancezustände im Alltag und hypnotisieren uns im Grunde selbst.

Im Buch wird dann im Kapitel 2 über den wichtigen Beziehungsaufbau zum Kind / Klienten und die nötigen Rapport-strategien berichtet. Nur wenn man eine gute Beziehung zum Kind / Jugendlichen aufbaut, es in seiner Vielfalt , seinen Fähigkeiten, Besonderheiten etc. erkennt und ihm Rückmeldung gibt, erhält man den Zugang zum Kind. Das geschieht bei Kindern oft spielerisch und indem man die richtigen Fragen stellt. Im späteren Verlauf werden oft Puppen, Stofftiere, Bilder, Figuren usw. zu Hilfe genommen, über die das Kind leichter kommunizieren kann.

Spannend finde ich auch die Methode Peacing and Leading bei der dem Kind positive Bilder suggeriert werden und es mit einer positiven Erwartungshaltung bestärkt wird sich etwas zu trauen und ins Handeln zu kommen. Ich befürworte diese Vorgehensweise sehr, Kinder und Jugendliche indem zu ermutigen und zu bestärken was sie alles gut können, anstatt sie ständig darauf hinzuweisen, was sie falsch machen.

Im Buch enthalten sind Tranceinduktionen und -ausleitungen, Imaginationen in der klassischen Hypnose, ankern, zurückholen in den Wachzustand und Reorientierung ins Hier und Jetzt. Es werden Ich-stärkende Hypnosen oder Texte zum Selbstschutz z. B. der Aufbau eines Schutzschildes oder Schutzraumes beschrieben. Gut finde ich auch die Texte zur Selbsthypnose, welche die Kinder später weiterüben bzw. sich vorstellen können. Im Kapitel 5 wird auf verschiedene, typische Blockaden eingegangen wie Nägelkauen, Einnässen, Aufkratzen von Wunden und Auszupfen von Haaren (Gewohnheitsstörungen), aber auch wie Hypnose in der Schmerzbehandlung und bei Stressreduktion (z. B. häufige Krankenhausaufenthalte) Hilfestellungen geben kann.

Im Kapitel 7 geht es um Teilearbeit mit Kindern und Jugendlichen, bei der es schon einiges an Erfahrung benötigt. Meiner Meinung nach ist dieses Kapitel nur für Therapeuten und Psychologen geeignet, welches dennoch sehr interessant zu lesen ist. Das gilt auch für Kapitel 8 in dem über Spielraumtherapie etc. geschrieben wird. Kapitel 9 beschäftigt sich mit Hypnotherapie und hypnosystemische Herangehensweisen mit Familien, was ich äußerst interessant und spannend fand, denn wenn die ganze Familie bzw. mehrere Familienmitglieder eingebunden sind, ergeben sich noch sehr viel mehr Möglichkeiten Problematiken zu lösen und heilsame, berührende Erfahrungen miteinander zu machen. Außerdem stärkt es die Familie und man lernt ungemein viel voneinander, was in den anderen vorgeht. Hier werden verbindende Aktivitäten
und Förderung des familiären Gemeinschaftsgefühls vorangetrieben.

Das Buch ist voll mit Fallbeispielen und verschiedenen Hypnosetexten, was mir sehr gefallen hat. Von mir als Hypnosecoach eine klare Empfehlung.

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